Autorenwebsite Susanne Roßbach


Dies ist die Stelle, an der Autoren berichten, dass Sie ihr ganzes Leben lang Geschichten geschrieben haben, Bücher schon immer ihre große Leidenschaft waren, sie nie von etwas anderem geträumt haben, als Autor zu werden. Falls du dies von mir hier erwartest, muss ich dich enttäuschen.

Zwar fing ich durch meine älteren Geschwister schon ein Jahr vor der Einschulung an zu lesen, fraß mich durchs Bücherregal meiner Schwester (z. B. Hanni und Nanni, wer alt genug ist, das noch zu kennen), meines Bruders (z. B. Karl May) und schließlich meiner Eltern; z. B. habe ich in letzter Verzweiflung, obwohl mir das Cover nicht gefiel, mit 12 Jahren "Der erste Kreis der Hölle" von Alexander Solschenizyn gelesen, erinnere mich aber nur noch daran, dass gemein behandelte Menschen in Lieferwagen mit der Aufschrift "Fleisch" herumgefahren wurden und das Buch mich deprimiert zurückgelassen hat. 500-Seiten-Wälzer an einem Nachmittag - kein Problem. Aber ich hatte noch weitere Hobbies: Mit 8 Jahren fing ich an, Klavier zu spielen, und brachte es bis zur Suite Bergamasque von Debussy. Ein Jahr vor meinem Abi hörte mein Lehrer auf, und ich übernahm seine restlichen Schüler. Daneben fing ich mit 12 Jahren an zu reiten, obwohl es hieß, ich müsse erst noch ein paar Brote essen, bevor ich in der Lage wäre, ein Pferd zu steuern.

Aber ich wurde erwachsen, und andere Dinge wurden wichtiger. Durch mein Erststudium war ich kaum noch zuhause, und es war nicht mein Verlangen, nur ab und zu hoch zu Ross zu sitzen. Für mich stand die Teambildung im Vordergrund, aber diese kann nicht gelingen, wenn man nur alle paar Wochen beim Pferd vorbeischaut. Also ließ ich es mit Anfang 20 sein. Ähnlich erging es meinem Klavier. Um mein Niveau zu halten, hätte ich täglich eine Stunde spielen müssen, was mir durch die Pendelei zwischen Frankfurt, Mannheim, Paderborn und München unmöglich war. Also starb auch dieses Hobby einen schleichenden Tod. Tja, und dann die Bücher. Mit etwa 20 Jahren stellte ich das Lesen abseits von Fachbüchern ein. Ich hatte schlichtweg andere Interessen. Ich absolvierte ein zweites Studium, gründete eine Familie, verfolgte meine Karriere, sanierte mit viel Eigenleistung mehrere Immobilien, pflegte Angehörige, pflanzte Bäume ...

 

Als meine Tochter 12 Jahre alt war, fand ich es an der Zeit, wieder etwas für mich zu tun, und kaufte mir ein Pferd. Ich habe es selber ausgebildet und wir sind ein super Team geworden. Vor wenigen Jahren bekam ich eine schreckliche Lungenentzündung, die mir wochenlang jeden Strom abzog. Danach war Lesen die ideale Beschäftigung. Mangels eigener ungelesener Bücher plünderte ich - schon wieder - anderer Leute Bücherregale, in dem Fall die meiner Tochter, und las die Vampir-Reihe von Stephenie Meyer. Mit Erstaunen nahm ich zur Kenntnis, dass diese Bücher Fanclubs, Verfilmungen und Merchandising nach sich gezogen hatten. Daraufhin sagte ich zu meiner Tochter: Das kann ich auch. 

Okay, ganz so einfach war es nicht. Mit Fleiß und Talent und möglichst noch einer guten Idee allein ist es nicht getan. Das Schreiben ist ein Handwerk, das auch erlernt werden will. Aber ich war kritikfähig, lernwillig und hartnäckig. Ich habe mein Ziel verfolgt und erreicht.

 

Um den Kreis vollends zu schließen, müsste ich so etwa mit 60 Jahren anfangen, an meiner Karriere als Konzertpianistin zu arbeiten, aber ich fürchte, bis dahin holt mich das Alter ein. Jetzt ist erst mal das Autorendasein angesagt, doch ich hoffe, dies geschieht zur Freude meiner Leser. Denn ich möchte keine Bücher schreiben, die einen deprimiert zurücklassen. Gute Unterhaltung, das ist selbstverständlich, aber darüber hinaus möchte ich Lebensfreude vermitteln - man legt das Buch beiseite und fühlt sich dynamisch und lebendig. In diesem Sinne ...


Bildnachweise von oben nach unten:

Porträt: privat

Klavier: privat

Schimmel: privat

Dreier-Serie Luftsprung: Karlheinz O. Brunst, khb-foto24@t-online.de